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26.01.2007

Der Streit ums Logo

ein Kommentar von Armin Niemeyer

Wir sind uns sicher darüber einig: Logos sind wichtig wie Parteinamen und "Schlag"worte über die wichtigsten Zielsetzungen einer Partei.  Sie prägen sich den Menschen - die wir ansprechen, um deren Stimmen wir werben, damit sie sich mit hinter unsere Ziele stellen langfristig ein. Mit Logos geht man deshalb nicht leichtfertig um und sollte sie nicht zu gegenseitigen Überrumpelungsversuchen nutzen.

Nehmen wir den leichteren Weg, um über das Logo nachzudenken und beginnen mit seiner Gestaltung. Das bisherige und zum Glück noch gültige stellt eine grafische Darstellung aus einem Guß dar, und das Grün ist so kräftig, wie wir in der Politik und gesellschaftlichen Gestaltung unseres Landes und in der EU mitmischen wollen! - Eine reife Logo-Leistung!

Der auf dem Kölner Parteitag überraschend vorgestellte Neuentwurf zeigt dagegen durch das abgespaltene Sonnenblumen-Viereck eine Zweiteilung, hinter der man eine geteilte Partei vermuten könnte.  Verständlich, wer Böses dabei denkt. Und die verwaschene gelblichgrüne Farbe wird niemanden vom Hocker reißen. Sie zeigt eher den augenblicklichen WirkungsGrad grüner Politik in unserem Land an.
Zu aller Peinlichkeit gibt es für diesen Logo-Entwurf noch einen 37seitigen LeitFaden, der den Landesverbänden (zum Glück vertraulich) zugestellt worden ist. Was da alles mit diesem ausgewaschenen Grünlich versprochen wird, läßt den Gedanken an eine psychiatrische Klinik aufkommen. "Aufgeräumt, dynamisch, individuell, natürlich, organisch, ausführlich" sollen wir da herauslesen können. Das Hintergrund-Grün gebe dem ganzen eine "gefühlte Tiefe". So ergiebig habe ich noch nie jemanden in einem saft- und kraftlosen Grünnebel herumstochern erlebt!
Als studierter Kunstgeschichtler hege ich die Befürchtung, daß dieser Logo-Entwurf als Abschlußarbeit an einer Kunstgewerbeschule für einen sicheren Durchfall reichen würde.


Aber sehen wir den Logo-Entwurf einmal im Hinblick auf unsere bündnisgrünen Inhalte:
In unseren Versammlungen werden immer wieder Stimmen laut, die einen grünen Profilverlust während der rot-grünen Regierungszeit beklagen. Trotz aller Regierungserfolge bündnisgrün geführter Bundesministerien muß sich die Profilschärfe in einer Koalition zwangsläufig abschwächen. Den unumgehbaren gegenseitigen Zugeständnissen in einer zwischenparteilichen Zusammenarbeit sei undank. Grüne Profilschärfung ist angesagt! Nicht allein, um aus dem Kompromißdenken wieder herauszukommen, sondern auch, um im Wettbewerb mit den anderen Bundesparteien nicht an grünem Boden zu verlieren.
Letztere haben inzwischen längst grüne oder ökologisch genannte
Zielpunkte in ihre Programme oder Vorhaben aufgenommen. Etwas grüne Politik ist inzwischen "in" geworden. Da müssen wir von der Realo-Seite wieder einige Schritte in Richtung grünfundamentalen Denkens gehen! Und das braucht den Erhalt unseren kräftigen Grüns im Logo statt dieses Nebelgrüns.

Im Gegensatz zu unserem grünen Wirkungsverlust ist es unserem Parteivorstand während der Mitregierungsjahre über die Medien gelungen der Bevölkerung zu vermitteln, daß traditionell sozialdemokratische Grundwerte im Bereich sozialer Aufgaben und demokratischer Rechte auch bündnisgrüne Grundwerte sind. In meinen Augen haben diese Statements schlüssiger und überzeugender gewirkt, als die unseres unter roter Fahne segelnden Regierungspartners. Wenn wir diesensozialpolitischen Aufwind für unsere Parteiarbeit weiter nutzen wollen, soll das dann unter der Farbe Grün geschehen? Wirkt es für die Bevölkerung nachvollziehbar, daß wir unter Grün nicht nur bekannterweise unsere grünen Vorstellungen und Werte(einschließlich der dazugehörenden globalen Aufgaben) vermitteln wollen, sondern die mindestens ebenso wichtigen demokratischen und sozialen? Oder ist vielmehr für diese Parteiwerte "Bündnis90" der werthaltigere Namensteil?

 

Wir sind seit unserem schrittweisen Entstehen als Partei immer auch ein Sammelbecken gewesen für verschiedenste Bürgerbewegungen, für das Bestrebungen staatlich abgebaute Demokratieformen zu erneuern und auch Basisdemokratie zu erhalten. Natürlich ist die inzwischen einseitig vorherrschende Vertretungsdemokratie besonders bequem zu handhaben, wenn sie sich weiter von den sie gewählt habenden entfernt! Aber w i r haben den Weg gewählt, um unsere Rechte mit denen unserer Mitmenschen gemeinsam zu wahren und auszuüben, auf dem mühsameren Weg basisnaher (das heißt "menschennaher") Demokratie zu gehen. Damit sind wir ein wichtiges Sammelbecken kleinerer Gruppen geworden, die Schwierigkeiten mit den nicht mehr ganz modernen Einheitsleitbildern unserer Zivilisation haben. Welcher Bevölkerungsmehrheit wollen wir diese, unsere Parteiseite vermitteln, wenn wir uns vordergründig mit Begriff und Farbe der/des Grünen präsentieren?
Ist das Bündel unserer demokratischen, basisdemokratischen, sozialen und natürlich grünen Bestrebungen nicht völlig richtig in unserem Namensbegriff "Bündnis90" dargestellt?

Um hier Wichtungen wieder richtig zu setzen, könnten wir, sollten wir vielleicht bis zum nächsten Parteitag einmal kurz fristig den Weg des immer alles ausgewogen richtig Machenwollens verlassen und unsererseits einen Logo-Vorschlag unter- breiten: Die gekonnte Gestaltung bleibt, auch die Sonnenblume (die ja in sich die Sonne mitrepräsentiert), der Namenszug "Bündnis90" sowieso - aber nach der Regel des Goldenen Schnittes "Die Grünen" etwas kleiner.
Vielleicht hilft das den westlicheren Parteifreunden (wir sind ja jetzt auch westlich!), aus ihrer verkalkten grünen Wiesenseeligkeit aufzuwachen und zu erkennen: Wir sind als Bündnisgrüne nicht nur für die Erhaltung unserer eigenen Umgebungsnatur und der bleibenden Bewohnbarkeit unserer Erde - sondern wir wollen auch breit angelegt für unsere Gesellschaft wirken (und Gesellschaft, das sind ganz viele einzelne Menschen). Übrigens, in einem ideal-utopischen Sinne wurde diese Vielheit von Menschen der Vergangenheit auch schon einmal als ein anzustrebends Bündnis empfunden.

Armin Niemeyer (Online-Redaktion)

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